Ah, Aha, oh, oho . . .
GRAM benötigte Zeit, um die Verlautbarung der Chronokrake zu verarbeiten. „Das ist bemerkenswert“, sagte Alva. „Gleichbehandlung bedeutet also nicht, dass alle das Gleiche sehen?“ – „Nein. Sie besteht offenbar darin, dass alle gleichermaßen sehen dürfen, was sie sehen können.“ Quarx von Nörgelon legte die Ohren an. „Und wenn einer gar nichts sieht?“ – „Dann kann er völlig gleichberechtigt auf nichts zugreifen.“
Alva las weiter. Aus den Beobachtungen einzelner Signalgreifer könnten keinerlei Rückschlüsse auf die Zentrale Steuerungseinheit gezogen werden. Unterschiedliche Signalverteilungen seien kein Beleg für unterschiedliche Behandlung; das Resonanzfeld sei komplex, dynamisch und von zahlreichen Einflussgrößen abhängig. „Das ist praktisch“, sagte Alva. „Außerordentlich“, bestätigte GRAM. „Ein System, dessen Funktionsweise unbekannt ist, kann durch Beobachtungen seiner Funktionsweise nur schwer widerlegt werden.“ Quarx blickte ins nahezu bewegungslose Haifi-Sbecken. „Ich sehe trotzdem nichts.“ – „Eine individuelle Beobachtung.“ – „Vor mir ist das Becken leer.“ – „Eine zweite.“ – „Und vor anderen schwimmen Signale.“ GRAM nickte. „Damit haben wir bereits drei Beobachtungen und bedauerlicherweise noch immer keine Erkenntnis über das System.“
Dann entdeckte Alva den erfreulichsten Teil der Verlautbarung. Signalgreifer, die sich eine andere oder möglicherweise noch gleichmäßigere Form der Gleichbehandlung wünschten, könnten ihre Position im Raumzeitgefüge verändern. Bei der höchsten operativen Instanz würden erneut flexible Umlaufbahnen für engagierte Signalgreifer angeboten. Quarx hob den Pferdekopf. „Das kommt mir bekannt vor.“ – „Unmöglich“, sagte GRAM. „Dies ist eine neue Ausschreibung.“ – „Was ist daran neu?“ GRAM verglich sie mit einer älteren Datenreihe. „Das Datum.“
„Aber die Umlaufbahnen sind ausdrücklich flexibel“, sagte Alva. „Also kann sich ein Signalgreifer für eine kleinere Umlaufbahn bewerben?“ – „Das steht dort.“ – „Und bekommt er sie dann auch?“ GRAM schwieg. Quarx legte erneut die Ohren an. „Ich glaube, diesen Teil der Raumzeit haben wir schon einmal durchquert.“ Alva las genauer. Die tatsächliche Ausdehnung werde erst nach Kontaktaufnahme und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der höchsten Instanz bestimmt. „Dann bedeutet flexibel also nicht unbedingt, dass der Signalgreifer flexibel wählen kann?“ – „Nein“, sagte GRAM. „Möglicherweise bedeutet es, dass die Umlaufbahn flexibel genug sein muss, sich den Bedürfnissen der Chronokrake anzupassen.“ Quarx nickte. „Das ist wesentlich flexibler.“
Alva begann zu verstehen. „Wenn ein Signalgreifer also glaubt, weniger Signale zu sehen als andere, kann er sich bei der höchsten operativen Instanz bewerben?“ – „Korrekt.“ – „Und wird dort gleicher behandelt?“ – „Nein. Dort werden selbstverständlich ebenfalls alle gleich behandelt.“ – „Was ist dann der Vorteil?“ GRAM betrachtete die Ausschreibung. „Man befindet sich näher an der Chronokrake.“ Quarx wich einen Schritt zurück.
Am unteren Rand pulsierte weiterhin die freundliche Leuchtschrift: „WIR VERSTÄRKEN UNSEREN SCHWARM – Flexible Umlaufbahnen für engagierte Signalgreifer.“ Darunter stand in erheblich kleinerer drangonischer Schrift: „Die tatsächliche Ausdehnung einer Umlaufbahn kann von ihrer beobachteten Ausdehnung abweichen. Die Gleichheit sämtlicher Signalgreifer bleibt hiervon unberührt.“
GRAM speicherte das Dokument unter „Gleichbehandlung, erweiterte Definition“. Quarx betrachtete noch einmal das leere Haifi-Sbecken. „Und was machen wir jetzt?“ GRAM überprüfte das Resonanzfeld. „Gleichberechtigt warten.“
Weitere Klärung ist derzeit nicht vorgesehen. Panik auch nicht.

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