Donnerstag, 1. Januar 1970

Am Anfang war alles ganz einfach - Eigentlich 1500 v. Chr. – dieser Zeitpunkt wird vom zuständigen Raum-Zeit-Kontinuum derzeit nicht unterstützt.

Man muss weder Prophet sein noch über ein besonders leistungsfähiges interstellares Fernglas verfügen, um die gegenwärtige Flugbahn einigermaßen zuverlässig vorherzusagen.

In einem abgelegenen und ansonsten weitgehend bedeutungslosen Winkel der Galaxis existierte einst eine erstaunlich ergiebige Raumstation. In regelmäßigen Abständen materialisierten dort Ereignisse, konnten von vorbeikommenden Raumfahrern eingefangen werden und hinterließen anschließend eine erfreuliche Anzahl galaktischer Credits.

Das funktionierte über längere Zeit so bemerkenswert gut, dass einige Besatzungen zu der Auffassung gelangten, es handele sich um ein Naturgesetz.

Das war ein Irrtum.

Naturgesetze erkennt man unter anderem daran, dass sie nicht plötzlich montagmorgens ihre Meinung ändern.

Inzwischen herrscht über weite Strecken jene beeindruckende Leere, für die das Universum seit jeher berühmt ist. Taucht dennoch etwas Brauchbares auf, besitzt es ungefähr die Stabilität eines Elementarteilchens, dessen Existenz von seinen eigenen Entwicklern noch nicht abschließend bestätigt wurde.

Gesehen.

Angepeilt.

Weg.

Manchmal reicht die Zeit nicht einmal bis zur Schleuse.

Gelegentlich materialisiert tatsächlich ein Ereignis der Kategorie Delta im eigenen Sektor. Für einen kurzen, berauschenden Augenblick entsteht dann der Eindruck, die alte kosmische Ordnung sei wiederhergestellt.

Fünfundzwanzig Sekunden später ist es verschwunden.

Wohin, ist unbekannt.

Möglicherweise hat irgendwo jemand den Unendlichen Unwahrscheinlichkeitsantrieb eingeschaltet.

Ford Prefect hätte vermutlich „Keine Panik“ gesagt.

Marvin hätte vermutlich gefragt, wozu.

Für derartige Vorgänge ist selbstverständlich irgendeine galaktische Behörde zuständig. Welche, ließ sich bislang nicht feststellen. Ein vorbeikommender Vogone erklärte zwar, das entsprechende Formular sei ordnungsgemäß eingereicht worden, allerdings beim falschen Amt, auf dem falschen Planeten und vermutlich auch im falschen Jahrtausend.

Das Formular ist selbstverständlich weiterhin verbindlich.

Besonders faszinierend sind Begegnungen, die bereits seit längerer Zeit im Logbuch verzeichnet sind. Einige verlassen unmittelbar vor Erreichen ihrer vorgesehenen Sternzeit das Raum-Zeit-Kontinuum. Andere bleiben dort zwar eingetragen, führen jedoch zu einem Wurmloch, an dessen anderem Ende niemand existiert.

Das ist physikalisch bemerkenswert, organisatorisch aber offenbar vollkommen normal.

Nach einigen Stunden betrachtet man schließlich die Bordbilanz und entdeckt Zahlen, bei denen selbst ein notorisch optimistischer interstellarer Buchhalter seinen Taschenrechner zuklappt und sich erkundigt, ob auf dem Planeten nebenan vielleicht noch jemand Hilfe beim Rasenmähen benötigt.

Marvin würde bei ihrem Anblick vermutlich feststellen, dass er die Entwicklung exakt so vorhergesehen habe.

Und dass ihm trotzdem niemand zugehört hat.

Man könnte natürlich Deep Thought mit der Frage beauftragen, ob sich das Ganze noch lohnt.

Nach einigen Millionen Jahren Rechenzeit würde er möglicherweise verkünden, dass die Antwort vorliege.

Sie lautet diesmal allerdings nicht:

42.

Sondern:

Nein.

Wobei Deep Thought vermutlich hinzufügen müsste, dass die eigentliche Frage ohnehin falsch gestellt worden sei.

Denn die richtige Frage lautet nicht:

„Wie gut war es früher?“

Sondern:

„Würde ich heute, mit dem Wissen um die gegenwärtigen Bedingungen, dieses Raumschiff noch einmal besteigen?“

Falls die Antwort Nein lautet, ist die Tatsache, dass frühere Reisen außerordentlich angenehm waren, ungefähr so relevant wie die Feststellung, dass das Wetter letzten Mittwoch auf Alpha Centauri recht hübsch gewesen ist.

Verbrauchter Treibstoff bleibt verbraucht.

Geflogene Lichtjahre bleiben geflogen.

Man bekommt beides nicht dadurch zurück, dass man weitere Lichtjahre in dieselbe Richtung fliegt.

Der menschliche Bordcomputer verfügt allerdings über eine bemerkenswerte Sonderprogrammierung:

„Früher war hier viel mehr los.“

„Jetzt bin ich schon so lange unterwegs.“

„Vielleicht kommt gleich noch etwas.“

Und dann kommt tatsächlich etwas.

Genau darin besteht das Problem.

Eine Maschine, die zuverlässig niemals etwas ausspuckt, verliert schnell ihre Kundschaft. Eine Maschine dagegen, die nach zwei Stunden vollkommen unvermittelt klingelt und ein paar Credits herauswirft, kann intelligente Lebensformen erstaunlich lange davon überzeugen, dass die vergangenen zwei Stunden keineswegs vollständig sinnlos gewesen seien.

Auf der Erde hat man dafür eine ganze Reihe eindrucksvoller Begriffe erfunden: versunkene Kosten, variable Verstärkung, Status-quo-Effekt, Verlustaversion und Opportunitätskosten.

Die Galaxis fasst das etwas kürzer zusammen:

Hoffnung.

Hoffnung ist eine wunderbare Sache.

Sie eignet sich nur bedauerlicherweise nicht besonders gut als Recheneinheit.

Entscheidend ist deshalb nicht, was eine Reise früher einmal eingebracht hat. Entscheidend ist, was die nächste Stunde voraussichtlich bringt – und welche anderen Möglichkeiten während dieser Stunde ungenutzt durch das Universum treiben.

Als gelegentliche Quelle zusätzlicher galaktischer Credits kann ein solches System durchaus seinen Unterhaltungswert behalten.

Als tragendes Element einer längerfristigen Raumfahrtplanung besitzt es inzwischen ungefähr die Zuverlässigkeit eines gebrauchten Hyperraumantriebs, an dem ein handgeschriebener Zettel hängt:

„Ging gestern noch.“

Zaphod Beeblebrox würde ihn vermutlich trotzdem kaufen.

Ford Prefect würde vorher nachfragen.

Marvin wüsste bereits, wie es ausgeht.

Und die Vogonen würden für die Reklamation ein Formular verlangen, das ausschließlich donnerstags zwischen 8:13 und 8:17 Uhr auf einem Planeten erhältlich ist, der vor drei Jahren gesprengt wurde.

Vielleicht ist die ganze Angelegenheit deshalb erheblich einfacher, als sie zunächst erscheint.

Nicht fragen, wie schön es früher war.

Nicht fragen, wie lange man schon dabei ist.

Nicht fragen, ob vielleicht gleich wieder etwas auftaucht.

Nur fragen:

Würde ich unter den heutigen Bedingungen morgen noch einmal damit anfangen?

Falls die Antwort Nein lautet, hat das Universum seine Entscheidung möglicherweise längst getroffen.

Der Raumfahrer hat sie nur noch nicht zur Kenntnis genommen.

Auch die Dinosaurier verfügten übrigens über ein über Jahrmillionen ausgesprochen erfolgreiches Geschäftsmodell.

Es bestand im Wesentlichen darin, sehr groß zu sein und darauf zu vertrauen, dass sich die Rahmenbedingungen nicht wesentlich ändern würden.

Im Nachhinein erwies sich insbesondere der zweite Teil des Plans als verbesserungsfähig.