... am Vorabend, ungefähr zur neunten Stunde einer völlig unbedeutenden planetaren Rotation, registrierte Außenposten Zeta-9 die Annäherung einer jungen kohlenstoffbasierten Lebensform. Ihre Primärfunktionen waren intakt; lediglich das atmosphärische Ansaugsystem meldete geringfügige Betriebsgeräusche. Gewünscht wurde keine Reparatur, keine zusätzliche Versorgung und auch keine Veränderung des chemischen Gleichgewichts. Benötigt wurde ausschließlich ein galaktischer Passierschein der Klasse Ω, gültig für genau eine Rotation des Heimatplaneten. Der diensthabende Navigator überprüfte sicherheitshalber sämtliche Nebenparameter. Weitere Anforderungen? Negativ. Chemische Zusatzmodule? Negativ. Sonstige Wünsche? Negativ. Hinweis auf die zeitliche Begrenzung des Passierscheins? Registriert. Passierschein Ω wurde ausgestellt. Lebensform verließ Zeta-9. Mission erfolgreich. Jedenfalls nach den maßgeblichen Regeln für Missionen, bei denen jemand genau das bekommt, weshalb er gekommen ist. Wenig später registrierten die Langstreckensensoren jedoch eine ungewöhnliche Formation im Dreisternnebel: ★★★☆☆. Das Galaktische Observatorium war zunächst ratlos. Drei Sterne waren vorhanden. Zwei fehlten. Eine Suchmannschaft wurde entsandt. Sie kehrte erfolglos zurück. Der Verlust wurde schließlich unter „ungeklärte kosmologische Ereignisse“ verbucht. Noch rätselhafter war eine mit der Erscheinung verbundene Messgröße namens „Professionalität“. Dieser Begriff ist in der modernen Astrophysik unbekannt. Man vermutet inzwischen, dass es sich um eine dimensionslose Einheit handelt, mit der junge Lebensformen die Flugerfahrung älterer Raumfahrer bestimmen können, ohne selbst jemals ein Raumschiff gesteuert haben zu müssen. Das Verfahren gilt als außerordentlich fortschrittlich. Deep Thought erhielt sämtliche verfügbaren Daten: Alter der bewertenden Lebensform ungefähr zwanzig planetare Umläufe, Flugerfahrung des Navigators ungefähr dreißig Umläufe im interstellaren Linienverkehr, Anforderung vollständig erfüllt, Zusatzwünsche keine, Komplikationen keine, Abweichungen vom Flugplan keine, Ergebnis drei Sterne. Deep Thought rechnete. Und rechnete. Dann verlangte er neue Daten. Man übermittelte dieselben Daten erneut. Er rechnete weiter. Schließlich teilte er mit, dass entweder zwei Sterne fehlten oder wesentliche Teile der bekannten Mathematik seit Pythagoras falsch seien. Die Vogonen widersprachen. Für sie war das System vollkommen logisch. Sie hatten bereits seit Jahrtausenden ein ähnliches Verfahren zur Beurteilung von Hyperraumkapitänen: Jeder Passagier darf nach der Landung bewerten, ob der Kapitän ausreichend professionell gravitiert habe. Die Ergebnisse seien ausgezeichnet. Insbesondere seit sämtliche Kapitäne aufgehört hätten, die Ergebnisse zu lesen. Ford Prefect vermutete dagegen einen bislang unbekannten kosmischen Umrechnungsschlüssel: 5 Sterne = bekommen, was man wollte. 4 Sterne = bekommen, was man wollte, aber ohne überraschende Zugabe. 3 Sterne = bekommen, was man wollte. 2 Sterne = bekommen, was man wollte, aber der Planet stand ungünstig. 1 Stern = Gravitation vorhanden. Zaphod Beeblebrox erklärte die Skala daraufhin für offensichtlich fehlerhaft, da sie maximal fünf Sterne vorsah, er selbst aber mindestens sieben benötige. Marvin hielt die Diskussion für überflüssig. „Drei Sterne? Für dieses Universum? Lächerlich überbewertet.“ Anschließend deaktivierte er sich vorsorglich für den Rest des Abends. Das Galaktische Zentralamt für Quantifizierte Befindlichkeiten arbeitet inzwischen an einer Erweiterung des Verfahrens. Demnach sollen künftig auch andere fundamentale Erscheinungen bewertet werden können: Gravitation ★★☆☆☆ – zu aufdringlich. Zeit ★★★☆☆ – vergeht ständig. Vakuum ★☆☆☆☆ – Service praktisch nicht vorhanden. Sonne ★★★☆☆ – zu heiß, nachts überhaupt nicht erreichbar. Universum ★★☆☆☆ – sehr groß, schlechte Orientierung, niemand zuständig. Die Möglichkeit einer Gegenbewertung wurde selbstverständlich geprüft. Sie wurde nach 0,7 Sekunden verworfen. Man stelle sich das Chaos vor, wenn plötzlich auch Raumstationen ihre Besucher beurteilen dürften: „Navigationsfähigkeit: ★☆☆☆☆“, „Realitätskompatibilität: ★★☆☆☆“, „Verständnis elementarer Zusammenhänge: derzeit nicht messbar“, „Erwartungsmanagement: außerhalb des bekannten Universums“. Das könnte zu Missverständnissen führen. Also bleibt alles, wie es ist. Junge Lebensformen verteilen Sterne. Alte Raumfahrer sammeln sie. Vogonen verwalten sie. Deep Thought versucht vergeblich, darin Mathematik zu entdecken. Und irgendwo im Dreisternnebel treiben noch immer zwei vermisste Sterne durch das All. Sollte jemand sie finden: Bitte nicht zurückbringen. Sie gehören vermutlich einem anderen Universum.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen