Über die galaktische Kunst der Gegenvermessung
Möglicherweise handelte es sich bei dem jungen Wesen selbst um eine „Professionelle“ – im streng dimensionslosen Sinne des Wortes selbstverständlich. Ironiemodul deaktiviert. Wobei eine Denkerin vom Kaliber einer gewissen Salomé von Beteigeuze sich vermutlich niemals in jene niederen Atmosphärenschichten intellektueller Konkurrenz begeben hätte, in denen Sterne nicht mehr leuchten, sondern verteilt werden. Sterne sind schließlich gewaltige selbstleuchtende Plasmakugeln. Sie als Maßeinheit für menschliche Befindlichkeit zu verwenden, war vermutlich eine jener Ideen, die auf der Erde beim dritten Kaffee entstehen und anschließend niemand mehr aufzuhalten vermag. Interessanter ist ohnehin eine andere, im äußeren Spiralarm bislang sträflich unterschätzte Möglichkeit: die eloquente Gegenvermessung. Denn wenn Lebensformen nach jeder Begegnung kleine Himmelskörper verteilen dürfen, spricht wenig dagegen, ihnen anschließend einen höflichen Auszug aus dem galaktischen Logbuch zukommen zu lassen. Selbstverständlich nicht grob. Grobheit ist etwas für Vogonen und Wesen, denen die Argumente bereits während des Countdowns ausgegangen sind. Nein, die angemessene Antwort muss so ausgesucht höflich sein, dass der Empfänger zunächst erfreut nickt und erst beim zweiten Lesen bemerkt, dass sein Raumschiff soeben ohne ihn abgeflogen ist. Frei nach Johann Wolfgang von Brodromeda, einem Dichter, der nach gegenwärtigem Forschungsstand niemals existierte, was seiner Zitierfähigkeit im interstellaren Schriftverkehr außerordentlich zugutekommt: „Mit aufrichtiger kosmischer Freude dürfen wir feststellen, dass es Ihnen vergönnt war, die reichen Gaben unserer gemeinschaftlich finanzierten planetaren Versorgungsstation in ihrer bemerkenswerten Vielfalt kennenzulernen. Wie jedes von kohlenstoffbasierten Lebensformen errichtete System unterliegt jedoch auch dieses gewissen Grenzen. Dies gilt insbesondere dann, wenn neben tatsächlichen Defekten des biologischen Antriebs zunehmend auch vorübergehende atmosphärische Unpässlichkeiten, emotionale Turbulenzen und jene zahlreichen kleinen Unregelmäßigkeiten Beachtung verlangen, die früher unter der wissenschaftlichen Sammelbezeichnung ‚Das geht vermutlich wieder vorbei‘ geführt wurden. Diese Diagnose erfreute sich über Jahrtausende einer bemerkenswerten Erfolgsquote, wurde jedoch abgeschafft, nachdem jemand bemerkte, dass man dafür keine App benötigt. Wir bitten daher um Verständnis, dass nicht jeder Wunsch, nur weil er mit hinreichender Überzeugungskraft vorgetragen, mehrfach wiederholt oder mit einem Ausrufezeichen versehen wird, automatisch den Rang eines kosmischen Grundrechts erlangt. Persönliche Raumgleiter mit Chauffeur, eine permanente Eskorte durch sämtliche Befindlichkeiten des Daseins sowie die unverzügliche Neuordnung des Universums nach individuellen Vorstellungen gehören gegenwärtig leider nicht zur Standardausstattung. Letzteres scheitert hauptsächlich daran, dass bereits mehrere Milliarden andere Lebensformen Änderungswünsche eingereicht haben. Das Galaktische Zentralamt bedauert dies außerordentlich und hat unverzüglich eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese hat nach nur 17 Jahren festgestellt, dass zunächst eine zweite Arbeitsgruppe benötigt wird, um die Zuständigkeit der ersten festzustellen. Mit einem belastbaren Zwischenbericht ist daher unmittelbar nach dem Erlöschen der letzten Sonne zu rechnen, sofern das hierfür erforderliche Formular rechtzeitig eingereicht wird. Das Formular ist derzeit vergriffen. Bis dahin empfehlen wir jene beinahe ausgestorbene Kulturtechnik, die in alten Sternenkarten unter dem Begriff Besonnenheit verzeichnet ist. Frühe Berichte deuten darauf hin, dass sie ohne Stromversorgung, Benutzerkonto und sogar ohne monatliches Abonnement funktioniert haben soll. Möge sie gelegentlich dort Platz nehmen, wo bislang die Erwartung residierte, das Universum müsse sich persönlich zuständig fühlen. Sollte dies nicht gelingen, steht selbstverständlich weiterhin das bewährte Verfahren zur Verfügung, einen Stern abzuziehen. Die physikalischen Auswirkungen auf das Universum sind gering, auf den Verteilenden jedoch häufig unmittelbar beruhigend. Wir verbleiben mit interstellar vorzüglicher Hochachtung.“ Deep Thought hat diesen Text geprüft und nach 7,5 Millionen Jahren keinen sachlichen Fehler gefunden. Allerdings wies er darauf hin, dass die Antwort 42 erheblich kürzer gewesen wäre. Marvin fand den gesamten Text unnötig optimistisch und insbesondere die Annahme bedenklich, irgendjemand werde ihn bis zum Ende lesen. Die Vogonen wollten daraus ein Formular machen. Zaphod wollte fünf Sterne dafür, obwohl er ihn nicht gelesen hatte. Und irgendwo im äußeren Spiralarm sitzt seitdem ein Wesen vor fünf kleinen Sternen und versucht herauszufinden, wie man eigentlich 2,7 Sterne vergibt. Das Galaktische Zentralamt hat dafür bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt.
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