Freitag, 21. August 2026

Was ich immer schon sagen wollte ..

 Irgendwo in einem abgelegenen Spiralarm der Galaxis entwickelte eine Zivilisation, deren größte technische Errungenschaft bis dahin ein Getränkeautomat mit drei gleichzeitig leuchtenden Fehlermeldungen gewesen war, ein Verfahren zur interstellaren Zufriedenheitsmessung. Das Prinzip war von jener bestechenden Einfachheit, die gewöhnlich unmittelbar vor einer Katastrophe anzutreffen ist: Raumfahrer A dockt mit einer Erwartung an Raumstation B an. Raumstation B erklärt, dass diese Erwartung gegen die Bordordnung, mehrere Naturgesetze und wahrscheinlich auch gegen den Energieerhaltungssatz verstößt. Raumfahrer A ist empört. Raumfahrer A darf anschließend die Raumstation bewerten. Damit ist der Vorgang beendet. Die naheliegende Idee, auch die Raumstation nach ihrer Einschätzung des Raumfahrers zu fragen, wurde vom Galaktischen Rat für Einseitige Erkenntnisgewinnung nach nur 14.000 Jahren Beratung einstimmig abgelehnt. Man befürchtete Antworten wie „Kam ohne Navigationsdaten“, „Verlangte die Aufhebung der Gravitation“, „Hielt seine persönliche Erwartung für eine fundamentale Naturkonstante“, „Ignorierte sämtliche Funksprüche“ oder das besonders vernichtende „Drei Sterne – war zumindest kohlenstoffbasiert“. Die Vogonen erkannten das wirtschaftliche Potenzial sofort und gründeten das Zentralamt für Asymmetrische Sternvergabe, dessen Hauptverwaltung sich auf einem Planeten befindet, der ausschließlich während einer totalen Sonnenfinsternis erreichbar ist. Das erforderliche Formular VOG-17b umfasst 84 Seiten, von denen die ersten 83 erläutern, weshalb die 84. aus Datenschutzgründen nicht eingesehen werden darf. Besonders interessant wird die Angelegenheit, wenn eine abgegebene Sternenkonstellation mit dem tatsächlichen Ereignis ungefähr so viel gemeinsam hat wie ein nasser Waschlappen mit einem Hyperraumantrieb. Unter geheimnisvollen Umständen kann sie dann offenbar aus dem bekannten Raum-Zeit-Kontinuum entfernt werden. Damit stellt sich allerdings eine der großen ungelösten Fragen des Universums: Erfährt der Urheber eigentlich, dass seine kosmische Meinungsäußerung wegen akuter Realitätsinkompatibilität in ein Schwarzes Loch befördert wurde? Deep Thought wurde mit dieser Frage bislang nicht beauftragt. Nach 7,5 Millionen Jahren Rechenzeit hätte er vermutlich erklärt: „Das Sternensystem ist nicht das Problem.“ Eine ehrfürchtige Stille wäre eingetreten. Dann hätte er ergänzt: „Das Problem sind die Lebensformen, denen man die Sterne gegeben hat.“ Marvin hätte leise darauf hingewiesen, dass er das bereits vor einigen Millionen Jahren gesagt habe, woraufhin ihm wiederum niemand zugehört hätte. Ford Prefect hätte empfohlen, das Ganze nicht ernster zu nehmen als die durchschnittliche Stabilität eines Planeten unmittelbar vor dem Eintreffen einer vogonischen Bauflotte. Zaphod Beeblebrox hätte sich vorsorglich selbst fünf Sterne gegeben, zweimal abgestimmt und anschließend behauptet, die Mehrheit stehe eindeutig hinter ihm. Währenddessen hätte irgendwo im Orionarm ein empörter Raumfahrer einen einzelnen Stern vergeben, weil sich eine Raumstation hartnäckig geweigert hatte, für ihn die Lichtgeschwindigkeit herabzusetzen. Das eigentlich Faszinierende an diesem System bleibt deshalb nicht seine Ungerechtigkeit, sondern die geradezu majestätische Absurdität seiner Konstruktion: Eine Lebensform darf Sterne verteilen, weil das Universum ihre Wünsche nicht erfüllt hat, während die andere Lebensform lediglich darauf hoffen darf, dass die Bewertung wenigstens aus derselben Dimension stammt wie das Ereignis, auf das sie sich angeblich bezieht. Auf der Erde hätte man das vermutlich Qualitätssicherung genannt. Die Vogonen nennen es Verwaltung. Marvin nennt es erwartbar. Und der Rest der Galaxis hat inzwischen etwas Vernünftigeres getan und ist weitergeflogen.

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