Zum Trüben Quasar - als Qualifiziert gekennzeichnet
Weit draußen, jenseits der bekannten Spiralarme, schwebte eine schäbige, leicht schiefe Stehkneipe im offenen Vakuum. Gehalten wurde sie von einem quietschenden Antigravfeld, drei schlecht dokumentierten Wartungsmodulen und dem hartnäckigen Optimismus ihres Betreibers. Man nannte sie „Zum Trüben Quasar“. Hier trafen sich die Signalgreifer aus dem Nebel von Kroth-9, wenn ein Umlauf so ereignislos gewesen war, dass selbst das Schweigen langweilig wurde.
An diesem Abend ging es um Zendorphal.
Bisher war die Substanz nur über klobige Injektionswerfer zu verabreichen gewesen, was die Signalgreifer aus einem uralten Instinkt heraus ablehnten. Ihre Haut reagierte auf Nadeln ungefähr so empfindlich wie ein schlecht gelauntes Verwaltungswesen auf einen fehlenden Stempel.
Dabei war Zendorphal ursprünglich für einen ganz anderen Zweck entwickelt worden. Es sollte Planeten, die einer interstellaren Schnellverbindung im Weg lagen, auf ein handlicheres Maß reduzieren. Danach konnte man sie aus dem Trassenkorridor entfernen, versetzen oder, falls es die zuständige Instanz für angemessen hielt, ordnungsgemäß wegsprengen. Hauptsache, die interstellare Autobahn war frei.
Nun aber kursierte das Gerücht, man habe den Stoff in Tablettenform gebracht.
Für die Kunden der Signalgreifer wäre das eine erfreuliche Nachricht gewesen. Weniger Masse, weniger Trägheit, mehr Beweglichkeit. Vielleicht sogar genug Energie, um wieder selbst etwas zu unternehmen.
Für die Signalgreifer war es eine Katastrophe.
Denn sie hatten sich inzwischen hervorragend an die geringe Zahl verwertbarer Quantenereignisse gewöhnt. Ihre Körper waren schwerer, ihre Bewegungen langsamer und ihre Erwartungen an die Arbeitsmenge entsprechend angepasst worden. Ein leichterer Kunde konnte auf höchst unerfreuliche Gedanken kommen: sich bewegen, Fragen stellen oder sogar seinen Signalgreifer mit zusätzlicher Arbeit belasten.
Krallux schob ein Hologramm der Tablette über die Theke. Vherna betrachtete es und sagte: „Schafft das schon.“
Bortelaan schüttelte den Kopf. „Das eigentliche Problem ist nicht der Stoff. Es ist der Moment danach.“
„Was soll danach passieren?“, fragte Krallux.
„Die Kunden werden womöglich wieder aktiv und wir sind schuld und haften eventuell.“
Es wurde still.
Dann sagte Bortelaan: „Diese Information darf niemals offiziell werden.“
Das war allerdings schwierig, denn für eine offizielle Information waren zunächst eine Materialisierungsprozedur, eine Gegenvermessung, mehrere Formularasseln und ein Passierschein D-46 erforderlich. Die zuständige Drangonen-Instanz hätte anschließend geprüft, ob die Information überhaupt informationstechnisch vorhanden sein durfte.
Erfahrungsgemäß dauerte das länger als die Information selbst.
Deshalb wurde beschlossen, das Geheimnis auf die einfachste denkbare Weise zu bewahren: Wer davon erfuhr, musste sein Gedächtnis löschen lassen.
Unter der Theke erschien eine Formularassel.
Sie trug ein Schild:
GEDÄCHTNISBEREINIGUNG – VORLÄUFIGE ZUSTÄNDIGKEIT UNGEKLÄRT.
„Und wie funktioniert das?“, fragte Vherna.
Die Formularassel raschelte.
Bortelaan deutete auf drei bereitstehende Raumzeitpfade.
„Ganz einfach.“
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Mit "Klicken" waren ja alle vertraut.
Danach würde sich selbstverständlich niemand mehr daran erinnern, was Zendorphal war, weshalb es geheim gehalten werden musste oder warum die Signalgreifer plötzlich so auffällig schwer geworden waren.
Bortelaan lehnte sich zurück.
„Unendliche Unwahrscheinlichkeit des Signalgreifer-Alltags.“
Der Wartungsroboter nickte.
Zumindest sah es so aus.
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