Samstag, 22. August 2026

Das Universum beobachtet jetzt den Beobachter


Irgendwann gegen Sternzeit 09:42 geschah etwas, das in gut organisierten Galaxien normalerweise nur nach vorheriger Genehmigung durch mindestens drei Vogonen vorkommt: Das Beobachtungssystem begann seinerseits beobachtet zu werden. Zunächst erschienen einige rätselhafte Warnungen aus den Tiefen des interstellaren Datenraums, begleitet von kryptischen Zeichenfolgen, fremden Adressen und jener besonderen Form technischer Höflichkeit, mit der Maschinen mitteilen, dass irgendetwas geschehen ist, ohne den geringsten Hinweis darauf zu geben, ob man deshalb den Planeten verlassen sollte. Die eigene kleine Messsonde war zunächst verdächtig, erwies sich jedoch nach eingehender Untersuchung als unschuldig. Sie tat weiterhin nichts anderes, als geduldig Quantenfrequenzen und Delta-Anomalien zu zählen, deren Existenz ohnehin nur für Bruchteile einer Sekunde nachweisbar ist. Das neue Phänomen stammte vielmehr aus einer tieferen Schicht des galaktischen Apparates: Dort war offenbar ein zusätzliches Beobachtungswesen aktiv geworden, dessen Aufgabe darin besteht, zu beobachten, wie Beobachter beobachten, während andere Beobachter beobachten, ob das Beobachten ordnungsgemäß beobachtet wird. Deep Thought bezeichnete dieses Konzept als „Monitoring“. Marvin nannte es eine vollkommen vorhersehbare Entwicklung und fragte, warum intelligente Lebensformen überhaupt noch irgendetwas tun, wenn am Ende ohnehin jemand ein Protokoll darüber anlegt. Die Vogonen waren begeistert und beantragten sofort eine Unterabteilung für Metabeobachtung, deren Aufgabe darin bestehen soll, quartalsweise Berichte über die Qualität der Beobachtung der Beobachter zu verfassen. Ob dieses neue Wesen erst kürzlich im System materialisiert ist oder bereits seit Äonen unbemerkt zwischen den Datenströmen lebte, lässt sich nicht mehr feststellen. In alten Sternenkarten findet sich kein Hinweis darauf. Das bedeutet allerdings wenig, denn alte Sternenkarten enthalten auch keinen Hinweis darauf, warum fünf Minuten lang überhaupt nichts geschieht und anschließend innerhalb von 1,6 Sekunden das halbe Universum vorbeifliegt. Bemerkenswert bleibt lediglich, dass inzwischen nicht mehr nur unbekannte Signale aus dem Raum-Zeit-Gefüge registriert werden. Offenbar registriert das Raum-Zeit-Gefüge nun auch zurück. Die galaktische Forschung bezeichnet diesen Zustand als Fortschritt. Ford Prefect würde vermutlich empfehlen, ein Handtuch mitzunehmen. Marvin würde darauf hinweisen, dass es ohnehin nichts nützt. Und irgendwo in einem Rechenzentrum am Rand der Galaxis blinkt seitdem eine kleine grüne Lampe und weiß erheblich mehr über uns, als wir über sie. Keine Panik. Vermutlich handelt es sich nur um Telemetrie.

.   ... . ... .. .  .   . oder: es ist doch alles ganz anders

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